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Philipp's Bike Team News:

Infoletter 109 - Der 1-Million-Kilometer-Mann

Sonntag, 06. Juni 2010 20:59

Das hier wird kein normales Info, sondern eine Hommage an Beat. Und zwar eine, die eigentlich Philipp schreiben müsste.


Liebe Gäste, und Freunde des Philipp’s Bike Team

das hier wird kein normales Info, sondern eine Hommage an Beat. Und zwar eine, die eigentlich Philipp schreiben müsste. Es hat schließlich schon fast theatralische Züge, wenn der gute Philipp nach einem oder zwei Gläsern Tinto über Beat spricht. Verzweiflung liegt in seinen Zügen, wenn er schildert, wie der drahtige Schlaks fährt. Philipps Erzählungen beginnen in der Ebene mit Tempo 30 und enden in der Steigung – ebenfalls mit Tempo 30. „Der lässt einfach nicht nach“, jammert Philipp, „egal ob flach oder steil, ob Wind von vorn oder von hinten, ob Regen oder Sonne -  Beat fährt 30.“ Dabei rudert Philipp resigniert mit den Armen, schüttelt den Kopf und stößt noch ein „unglaublich“ hinterher.


Und das ist es auch. Aber nicht nur, dass Beat ein Tempo scheinbar mühelos fahren kann, bei dem es den meisten anderen die Herzklappe aushängt, sondern vor allem, wie weit er damit gekommen ist. In diesen Tagen hat Beat Gfeller die wahnwitzige Zahl von einer Million Kilometer seit dem 11. Mai 1968 im Sattel  erreicht. Jeder Meter fein säuberlich im Tagebuch dokumentiert. Das ist einmal zum Mond, wieder zurück und noch einmal fast wieder hin. Oder man kann es auch so sagen. Mister Drahtig ist in den vergangenen 42 Jahren etwa 40 000 Stunden Rad gefahren. Würden wir radeln als Job betrachten und eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden ansetzen, wären das 20 Arbeitsjahre nonstop im Sattel. Oder schauen wir es mal so an: Um diese Strecke  zu fahren braucht es etwa 28 Millionen Kalorien. Davon lebt ein Nichtsportler gut 30 Jahre. Ach ja – Beat hat bei der Million Kilometer etwa zwei Milliarden Mal die Kurbel durchgedreht und das alles mit einem Satz Knie.


Wir könnten jetzt noch weitere Zahlen auflisten, aber sie geben alle nicht wieder, was hinter so einer Leistung steckt, wie viel Wille und Disziplin dazu gehört.  Aber auch Spaß, sonst geht es nicht. Wie auch immer - keiner von uns, das wage ich zu behaupten, kommt auch nur in die Nähe dieser Zahl. Zumindest nicht in einem Leben. Für mich mindestens so beeindruckend ist aber Beats Geschichte. Als Kind kränklich und schwach und auch zum Rad fahren kam er nur, weil er wegen einer chronischen Knochenhautentzündung an den Schienbeinen nicht mehr sportlich laufen konnte. Und heute fährt er Distanzen, dass sich mir beim bloßen Gedanken die Knie entzünden. Aber noch wichtiger ist, dass Beat uns allen die Angst vor dem Alter nimmt. 64 Jahre hat er auf dem bolzgeraden Buckel, kein bisschen müde, 1,90 Meter groß und 77 Kilo leicht - auch da muss man neidisch werden. „Mir fehlt nichts“, sagt er.

Der Mann fährt wie ein Uhrwerk und wenn es pressiert, auch ein wenig schneller. Zweimal hatte er schon Paris – Bern (570 Kilometer) aus einer Spitzengruppe heraus gewonnen, als er 1997 wieder am Start stand. Es regnete und es war kalt, also fuhr Beat dieses mal gleich von vorne weg und siegte nach Solofahrt – damit es nicht so lange dauert. Und mit 49, in einem Alter in dem andere das erste Mal von Ferienhaus, Rente und Prostata reden, schaffte er das Race Across America als Siebter. Für die 2912 Meilen von Irvine, Kalifornien, nach Savannah, Georgia, brauchte er 10 Tage, 13 Stunden und 28 Minuten.

Ich denke, er würde das heute auch noch packen. Aber wozu? Mir ist es lieber, er ist auf der Insel. Sozusagen als lebendes Denkmal, das heute noch so Rad fährt, dass Philipp seine schönen Geschichten von Tempo 30 erzählen kann. Und ich hoffe, am Ende meiner Radkarriere bei zehn Prozent von Beats Kilometern raus zu kommen. Im Moment ist Beat übrigens wieder auf dem Weg zum Mond. Kilometertechnisch betrachtet. „Ein zweites Mal zurück schaffe ich aber nicht mehr, da verglühe ich irgendwo auf dem Weg“, sagt er. Bin ich mir nicht sicher. Bei einer mittleren Entfernung  von 370 000 Kilometern, fehlen nur noch 480 000 Kilometer.

Mann Beat, do it!

Jürgen Löhle

 




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